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Bei ihm stand am Anfang die Architektur. Vielleicht hat der Düsseldorfer Fotokünstler Marcus Schwier daher seinen Respekt vor Linien, Form- und Lichtverläufen, die er mit seiner Kamera und viel Geduld der Schnelllebigkeit entreißt und dem Betrachter seine eigene Umgebung ganz neu kennenlernen hilft. Geboren 1964 in Düsseldorf, studierte er 1985 zunächst Architektur und arbeitete in verschiedenen Architekturbüros. 1993 schwenkte er um auf ein Fotografie-Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie bei Kasper, Nikkels und Hoover, wobei der „Schwenk“ nur formal erfolgte. Tatsächlich fotografierte Schwier bereits seit Jahren, und die vielbeachtete Architektur-Dokumentation der Kunstakademie mit Hilfe einer selbst gebauten Lochkamera zeugen eher von einer Fortsetzung architektonischer Ästhetik mit anderen Mitteln. Für manche der Bilder ließ Schwier seine Art der camera obscura eine halbe Stunde Licht aus Sälen, Fluren und Treppenhäusern aufsaugen und erreichte damit eine fast unwirkliche Atmosphäre: Selbst Winkel, die nach dem Gefühl des Betrachters eigentlich härteste Kontraste aufweisen müssten, ließ Schwier beruhigend weich werden. Unheil scheint mit diesem Gemäuer unmöglich verknüpfbar zu sein, höchstens schwingt eine satte Geschichtlichkeit im Subtext der Wahrnehmung mit.
In den folgenden Jahren entwickelte Schwier in seinem Düsseldorfer Atelier und bei seinen weltweiten Einsätzen eine bemerkenswerte Zweigleisigkeit. Einerseits genügt er als kommerzieller Fotograf höchsten Ansprüchen bei der Umsetzung von Werbekonzepten, Broschüren und Imagekampagnen. Andererseits verliert er aber auch seine fotokünstlerischen Ambitionen nicht aus dem Blick, überrascht immer wieder mit neuen überzeugenden Serien. In der Tradition der langen Belichtungen in der Kunstakademie standen seine „nightshots“, die natürlich Schwier-gemäß die Betonung vor allem auf der Nacht und so gut wie gar nicht auf den Schüssen haben. Er erläuterte dazu zwar, dass die nächtliche Szenerie ein Bild sozusagen von alleine auf das Entscheidende reduziere, da alles Wesentliche bereits angeleuchtet sei. Aber ihm gelang es auch dabei, in die im Vorübergehen stockfinster erscheinenden Ecken und Nischen langzeitbelichtete Aufklärung zu bringen.
Schwiers Fotokunst stellt immer wieder eine Kampfansage an das vor allem im Fotojournalismus verbreitete salvenartige Massenstakkato moderner Schnellserienbildkameras dar. Diese scheinen dem Fotografierenden ein Macht-Gefühl von John Wayne zu verleihen, wenn sie ihre Motive ohne Rücksicht auf Überlebende abknallen. Schwier dagegen lässt sein Motiv nicht nur am Leben, er verhilft auch leicht zu übersehenden scheinbaren Nebensächlichkeiten zu vitalen Wirkungen. So etwa in seinen „Interieurs“, die er aus einem Dutzend Schlösser der Bodenseeregion gewann. Weder Schnappschuss noch Inszenierung führen hier zu Fotografien von ausdrucksstarkem Reiz, sondern das Einlassen auf das Sein zwischen Prunksälen und Privatgemächern, dem Schwier durch stundenlange Konzentration auf sein Objekt ein verborgenes Bewusstsein entlockt.
Einzelausstellungen führten Schwier-Werke unter anderem nach Sylt, Frankfurt, Düsseldorf, Krefeld, Ratingen, Mönchengladbach, Hamburg, Essen und Salem. Wichtige Preise und Auszeichnungen, wie etwa der Internationale Photographie-Preis der DG-Bank, begleiten seinen Weg.
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