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Die am 23. Februar 1954 in Erfurt geborene Fotokünstlerin Gundula Schulze Eldowy lässt sich nicht auf einen Schwerpunkt in ihrem Wirken festlegen. Für sie ist es ein „universelles Gesetz“, dass sich alles bewegt: „Das Leben ist ein Fluss, es anhalten zu wollen, ist eine Illusion.“ Und so bewegt auch sie sich zwischen den Genres, den Stilen, den Motiven und Medien – nicht ohne dabei tiefe, weit beachtete und gerühmte Spuren zu hinterlassen.
1972 wechselte sie nach Berlin zu einem Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung. 1977 begann sie mit der Fotografie, studierte von 1979 bis 1953 Fotografie bei Horst Thorau in Leipzig. Als Einzelgängerin, die sich nicht bevormunden lassen wollte, geriet sie schnell mit den Erwartungen an Künstler im „real existierenden Sozialismus“ auf Kollisionskurs. „Ich habe das Menschenbild der DDR-Funktionäre komplett unterwandert“, stellt sie im Nachhinein fest. Wo die offizielle Sprachregelung darin bestand, dass der Sozialismus alle sozialen Probleme gelöst habe, schaute Schule Eldowy hinter die Propaganda. Die Reaktion darauf war so, als hätte sie fotografisch dem Regime und Teilen der Gesellschaft „den Krieg erklärt“, erinnert sie sich.
Sie sieht sich in dieser Zeit beeinflusst von den schon als junger Mensch gelesenen französischen Romanciers, die nach ihrem Empfinden einen wunderbar klaren Blick auf ihre eigene Zeit gefunden hätten. Genau das wollte sie mit der Kamera in der Hand ebenfalls. Die Streifzüge durch Ost-Berlin, das sie als Mitte Berlins und Mitte Europas ansieht, enthüllten schonungslos die Realität im Sozialismus. So etwa „Andreas, der Rußkönig“, der so gar nicht zum Klischee des Helden im Arbeiter- und Bauernstaat passt. Warum sie nur so „schreckliche Bilder“ mache, hätten Zeitgenossen sie damals gefragt. Heute ist sie stolz darauf, zwischen 1977 und 1990 in Berlins Mitte das „Berliner Milieu“ hautnah erlebt und dokumentiert zu haben. Bis zur Wende hätten sich in den Mauern die 20er Jahre gehalten, nun sei alles verschwunden.
Aber in ihren Bildern bleibt es erhalten. So wie auch ihre frühen Aktportraits, die eine natürliche Unbekümmertheit der Menschen in der DDR im Umgang mit der Nacktheit zeigen. Ihr Auskommen hatte die Fotokünstlerin unter anderem durch Diaschau-Abende, zu denen sie kreuz und quer durch die DDR reiste. Nach dem Fall der Mauer lud Robert Frank, den sie schon 1985 kennengelernt hatte, nach New York ein. Die dort entstandenen „Spiegelungen“ stellen ein faszinierendes Zusammenspiel von klassischen alten Meistern und moderner New Yorker Umgebung dar. So sehr sich der Stil dieser Bilder von den Aufnahmen aus DDR-Zeiten unterscheidet, so ist doch in ihrem gesamten Oeuvre der Wille spürbar, jeder neuen Herausforderung fotografisch durch einfühlsame Durchdringung gerecht zu werden, sich selbst als Fotografin mit festgefahrenen Mustern zurück zu nehmen und nach immer neuen Aussagemöglichkeiten zu suchen.
Das ist angelegt bei dem Zyklus „Der große und der kleine Schritt zwischen 1984 und 1990, sichtbar etwa in der Aufnahme „Anatomie“, in der in einem Hörsaal Skelette und eine nackte Frau Wissenschaft und Praxis genau so verbinden wie Leben und Tod, oder in dem Werk „Zangengeburt“, das einen medizinisch nahezu normalen Vorgang aus dem Zusammenhang reißt und regelrecht zum schockierenden, traumatisierenden Blutbad werden lässt. Und es ist zu verfolgen durch die in Aussage, Stil und Absichten jeweils sehr unterschiedlichen Resultate ihrer vielen Reisen, wie die „Ägyptischen Tagebücher“, das japanische „flüssige Ohr“ oder die in Moskau entstandenen Bilder aus der Reihe „Das Blatt verliert den Baum“, gefolgt von dem in Gold getauchten „lebendigen Bild“ aus der Türkei oder das „unfassbare Gesicht“ und der „Eulenschrei“ aus Südamerika.
Wandlung scheint das Beständigste im künstlerischen Schaffen von Schulze Eldowy zu sein. Deshalb ist auch die Fotografie nicht das einzige Ausdrucksmittel geblieben, wie Gedichte, Erzählungen, Aufsätze, Ton-Collagen und Lieder beweisen. So wie sie in Peru und New York und Berlin und auf Reisen zu Hause ist. Die sozialkritische Fotografie aus DDR-Zeiten ist dabei in ihrer Grundeinstellung ebenfalls als roter Faden zu erkennen. So wie Schulze Eldowy anhand der Agonie in ihren eigenen Bildern das Ende des Systems der DDR schon Jahre zuvor erwartete, ist sie nun überzeugt, dass auch der Globalismus „sang- und klanglos verschwinden“ werde.
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