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In der Vita eines Fotografen macht es sich schon seltsam, wenn zwischen der Fotokunst und der Fotoprofessur plötzlich eine parteipolitische Hauptbeschäftigung steht. Doch für den bekannten DDR-Fotografen Rudolf Schäfer war es fast zwangsläufig, dass er sich in der Zeit der friedlichen Revolution von der Bürgerbewegung mitreißen ließ und sich für zwei Jahre für das „Neue Forum“ und „Bündnis 90“ engagierte. Der politische Aufbruch schien die folgerichtige Konsequenz aus der untergründigen Aussage seiner Bilder zu sein.
Sie bildeten im DDR-System Nischen der persönlichen Freiheit. Seine Aktfotografien, die über mehr als ein Jahrzehnt lang vor allem in der beliebten Illustrierten „Das Magazin“ erschienen, hielten solche Momente selbstbestimmten, selbstbewussten und „freien“ Lebens nicht nur am Strand oder am See, sondern auch im privaten und öffentlichen Umfeld intensiv fest. Aktfotografie in der DDR sei zudem „überwiegend kommerzfrei“ gewesen, erinnert sich Schäfer. Und vor allem voller Natürlichkeit. Er nennt sie Bilder aus einer „silikon- und photoshopfreien“ Zeit.
Mit 20 begann Schäfer ein Studium an der Fachschule für Werbung und Gestaltung in Berlin, durchlief danach eine Ausbildung zum Filmkamera-Assistenten beim Fernsehen der DDR. Zwischen 1974 und 1987 arbeitete er als freiberuflicher Fotograf. Neben Werbe- und Presseaufnahmen widmete er sich seinerzeit auch der Modefotografie. Und auch die bildete, wie in eindrucksvollen Rückschauen zu nachzuvollziehen ist, einen Kontrast zur „offiziellen“ Präsentation der Verhältnisse im real existierenden Sozialismus. Schäfer suchte den Kontrast zwischen morbidem Mauerwerk und lebendiger Mode, die nicht nur als Kleidung vermittelt wurde, sondern auch das zupackende Lebensgefühl ihrer Trägerinnen.
Die Fotokunst als zusätzliche Ambition prägte seit den 80er Jahren seinen Weg. Er studierte als Externer an der Akademie der Künste in Ostberlin, bekam nach der Wende ein Fotografie-Stipendium der Stadt Paris, war mit freien Fotoprojekten befasst und wurde 1997 zum Professor für Fotografie an die Burg Giebichstein Hochschule für Kunst und Design berufen.
Zu den eindrucksvollsten Fotoreihen Schäfers gehören die „Gesichter des Todes“, bei denen ebenfalls die besondere Natürlichkeit fasziniert. Er fotografierte Tote als Menschen mit „ewigem Schlaf“. Was den normalen Zeitgenossen zunächst zurückschrecken lässt, weil er sich ungern damit konfrontiert sehen möchte, fasziniert bei näherem Hinsehen und wandelt in wenigen Augenblicken die Einstellung zum Tod. Denn diese Portraits sind das Gegenteil von Begriffen wie „Kampf“, „Krankheit“, „Verletzung“ oder „Schmerz“, die gewöhnlich mit dem Tod verbunden werden. Diese Menschen wirken vor allem friedlich, ja zufrieden, fast vergnügt. Dem verblüffenden Befund stellt Schäfer die Feststellung entgegen: „Ich habe nicht geschönt.“ Aber er räumt ein, dass dieser Eindruck entstehen kann, führt dies aber darauf zurück, „dass die meisten Leute nicht wissen, wie jemand aussieht, der tot ist“.
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