August Sander

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17.11.1876

Herdorf

 

Schwerpunkt:
Portraits
Landschaft
Architektur

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20.04.1964

Köln

 

 

Der am 17. November 1876 in Herdorf (Rheinland-Pfalz) geborene deutsche Fotograf August Sander hat tiefe Spuren in der Geschichte der Fotografie hinterlassen und ist auch Jahrzehnte nach seinem Tod am 20. April 1964 in Köln noch eine international anerkannte Größe, die das Bild von den Umbrüchen der Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit geprägt hat. Dazu trug insbesondere sein epochales Projekt „Menschen des 20. Jahrhunderts“ bei.

Der Sohn eines Grubenschreiners beginnt selbst in der Herdorfer Eisenerzgrube als Haldenjunge. Dort kommt er mit einem für die Bergwerksgewerkschaft tätigen Fotografen in Kontakt und entdeckt sein überragendes Interesse für die Fotografie. Mit finanzieller Unterstützung seines Onkels kann er sich als Teenager eine erste Fotoausrüstung zulegen. Während seines nachfolgenden Militärdienstes bleibt er im Metier, indem er einem Fotografen assistiert. Er lässt sich in Trier bei dem Fotografen Georg Jung weiter ausbilden und erwirbt weitere Kenntnisse während einiger Wanderjahre, die ihn nicht nur zu Fotografen in Berlin, Magdeburg, Halle, Dresden und Leipzig führen, sondern ihm auch die Möglichkeit eröffnen, an der Kunstgewerbeakademie in Dresden ein wenig Kunststudien zu betreiben.

Sein erstes Atelier übernimmt er Anfang des 20. Jahrhunderts im österreichischen Linz. Ausgerüstet mit den modernsten fotografischen Techniken, bietet er neben den klassischen Portraits auch Landschafts- und Architekturaufnahmen, versteht sich auch auf die Werbefotografie. Aus der Ehe mit Anna Seitenmacher gehen in der Linzer Zeit zwei Söhne hervor. Nach dem Wechsel 1910 nach Köln folgen Zwillinge, von denen nur eine Tochter überlebt.

Die Kölner Jahre werden zu den künstlerisch fruchtbarsten seiner Fotografenlaufbahn. Mit dem Fahrrad startet er in die Straßen der Großstadt und in die ländliche Umgebung und hält Hunderte von Menschen im Portrait fest. Der Bruch jahrzehntelanger Familientraditionen, altes Handwerk, die Licht- und Schattenseiten der Industrialisierung, optimistische Aussichten junger Studenten, selbstbewusstes Ablegen stereotypischer Frauenrollen oder die Hoffnungs- und Würdelosigkeit der Arbeitslosigkeit – all das spiegelt sich in den ausdrucksstarken Gesichtern der rheinischen Menschen. Sander entwickelt das Konzept für ein Monumentalwerk unter dem Titel „Menschen des 20. Jahrhunderts“. In diesem Rahmen will er nach und nach die Fotografien in sieben Gruppen dokumentarisch zusammenstellen: Bauer, Handwerker, Frau, Künstler, Großstadt, aber auch heute schwer nachzuvollziehende Überschriften wie „Die Stände“ und „Die letzten Menschen“ sieht er vor.

Sander wird dieses Konzept in den folgenden Jahren immer weiter vervollständigen und erweitern. Er folgte dabei der Überzeugung, dass Menschen genauso durch Licht und Luft geformt werden wie durch ihre ererbten Anlagen und ihr eigenes Handeln. All das will er in seinen Portraits sichtbar machen, das Wesen des Menschen darlegen, nicht nur seine augenblickliche Stimmung und Laune. Lange nach seinem Tod faszinieren die Portraits in zahlreichen Ausstellungen immer noch die Besucher durch die gekonnt festgehaltene Ausstrahlung, die mitunter ganze Geschichten der längst Verstorbenen zu erzählen scheint.

Zunächst freilich gibt es die „Menschen des 20. Jahrhunderts“ lediglich in Form eines Vorläufer-Projektes. Der Bildband „Antlitz der Zeit“ erscheint 1929 und ist so gar nicht das, was sich vier Jahre später die neuen Machthaber unter dem Idealbild des arischen Menschen vorstellen. Das Werk darf im Nationalsozialismus nicht mehr verbreitet werden, sicherheitshalber lassen die Nazis sogar die Druckstöcke vernichten.

Sander verlegt sich mehr auf seine anderen Stärken der Industrie-, Landschafts-, Architektur- und Naturfotografie, experimentiert mit Detailstudien und wechselt kriegsbedingt 1942 nach Kuchendorf im Westerwald. Allerdings kann er nicht alle bis dahin entstandenen Bilder in Sicherheit bringen; in der ersten Nachkriegszeit werden Zehntausende von Negativen bei einem Brand in Köln vernichtet. Erhalten geblieben sind jedoch die eindrucksvollen Fotodokumente, die Sander von der kriegszerstörten Domstadt anfertigt.

Nach dem Krieg kommt es zu einer Wiederbelebung der zahlreichen Künstlerkontakte aus den 20er Jahren, aber auch zu einer Zusammenarbeit unter anderem mit dem Direktor des New Yorker Museum of Modern Art, Edward Steichen, der in sein Konzept von der „Familie der Menschheit“ nur zu gerne die „Menschen des 20. Jahrhunderts“ Sanders einbezieht. Eingeleitet von Heinrich Lützeler, können 1962 auch endlich die „Menschen des 20. Jahrhunderts“ unter dem Stichwort „Deutschenspiegel“ erscheinen. In Zeitschriften werden Sanders Portraits unter anderem von Alfred Döblin und Golo Mann besprochen.

Nach einem Schlaganfall stirbt Sander 1964 in Köln, posthum folgen Dutzende von Ausstellungen und Bildbände mit seinen Arbeiten. Seine Philosophie verpflichtet ganze Generationen nachfolgender Fotografen: „Durch die Photographie in absoluter Naturtreue ein Zeitbild unserer Zeit geben.“

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Ausstellungen:

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