Günter Rössler

*

 1926

 Leipzig

   

Schwerpunkt:
Modefotografie
Werbefotografie
Aktfotografie

 

 

 

   
            

 

Fans nennen ihn gerne den "Helmut Newton des Ostens". Sie wollen damit die Ausnahmestellung des in der DDR zu Kultstatus gekommenen Aktfotokünstlers Günter Rössler unterstreichen. Aber sie greifen damit in die völlig falsche Schublade der Fotografie. Während Newton am Posing seiner Models feilte, suchte Rössler stets die ganz gewöhnliche Frau in ihrer außergewöhnlichen Ästhetik festzuhalten. Sein Ruf ist legendär, seine Bilder nackter Frauen gehören zum kollektiven Gedächtnis der DDR.

Am 6. Januar 1926 in Leipzig geboren, absolvierte Rössler nach Abitur, Militärdienst und Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft eine Fotografenlehre. Es folgte ein Studium an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst. Seit 1951 war Rössler mit Schwerpunkt in der Werbe- und Modebranche als freischaffender Fotograf tätig. Seine Frau Ruth war sein erstes "Mädchen" (Rössler vermeidet die Bezeichnung "Model"), das eine lange Reihe von "Akten" eröffnete. Bereits aus dem Jahr 1953 entstanden Aktstudien mit Ruth am Stand von Ahrenshoop.

Wiewohl die DDR-Gesellschaft sich schon früh ihre Freiheit zumindest in Form von Freizügigkeit erkämpfte und den nackten Körper zur Normalität an ostdeutschen Stränden und Seen werden ließ, taten sich die Machthaber zunächst mit Rösslers Aktfotokunst schwer. Eine erste geplante Ausstellung wurde Ende der 60er Jahre noch kurz vor der Eröffnung wieder abgesagt. Allerdings schlug zehn Jahre später Rösslers Stunde: Eine Ausstellung mit Aktfotografien ging 1979 auf eine überaus erfolgreiche Wanderschaft durch DDR-Städte und ließ Rössler zum Pionier dieser Fotokunst im sozialistischen deutschen Staat werden.

Über die Jahrzehnte behielt Rössler seinen eigenen Stil bei. Er ließ sich weder von sozialistischen Kunstvorstellungen beeinflussen noch von der aufgesetzten so genannten Erotik in der Folge der Sex- und Pornowelle in den 70er und 90er Jahren. Intimität statt Inszenierung, Persönlichkeit statt Posing, das waren stets die Fixpunkte seiner Arbeiten. Das intensive Gespräch mit den Frauen war ihm wichtiger als ein Blick in mitgebrachte Bewerbungsmappen. Ob es zu einer Zusammenarbeit kam, entschied er aus dem spontanen Eindruck von der Natürlichkeit der Frau heraus. Regelmäßig veröffentlichte er in der DDR-Monatsillustrierten "Das Magazin". Aber auch außerhalb der DDR wurden die Medien auf Rösslers Aktfotokunst aufmerksam. So druckte 1984 der "Playboy" eine zehnseitige Fotostrecke mit Rösslers Werken von "Mädchen in der DDR". Bis ins hohe Alter blieb Rössler der Schwarz-Weiß-Fotografie treu, zog die Gestaltung durch Licht und Schatten, Formen und Bewegung jeder elektronischen Bearbeitung vor. Natürlichkeit stand bei Rössler an erster Stelle. Mädchen mit Tatoos oder Piercings hatten nie eine Chance, auch Halsketten oder andere Schmuckstücke gehörten nicht mit aufs Bild. Solche Accesoirs machten die Menschen nach Rösslers Überzeugung "nicht schöner", sondern lenkten nur ab.

Nach dem Tod seiner ersten Frau wurde Kirsten, seinerzeit das jüngste "Mädchen" im Kreis seiner "Akte", zu seiner Lebensgefährtin, Assistentin, Ehefrau und Mutter einer gemeinsamen Tochter. Nach der Wiedervereinigung baute der Nestor der ostdeutschen Aktfotografie in Sachsen die erste Modelagentur mit auf.

Text: R.M./fotokunst-in.de