Gregor Mayntz
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1960 |
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Der Wahlberliner Gregor Mayntz wurde 1960 im Rheinland geboren. Schon als kleiner Junge faszinierte ihn die Fotografie. Anders als andere Kinder in seinem Alter interessierte er sich aber weniger für Schnappschüsse im Familien- und Freundeskreis, sondern mehr für das Spiel von Licht und Schatten. Diesen elementaren Zugang zur Fotokunst hatte er für sich entdeckt, als er noch nicht wusste, dass die „Fotografie“ aus dem Griechischen stammt und von dem Begriff für „Malen mit Licht“ abgeleitet wird.
Schon sehr früh hatte Mayntz für sich entschieden, die Fotografie nicht nur als Leidenschaft zu sehen, sondern sie auch zum Beruf zu machen. Durch die Zufälle des Lebens wurde daraus zunächst nichts. Weil er die Redaktion durch eine attraktive Bildbeschreibung auf sein erstes zur Veröffentlichung angebotenes Bild neugierig machen wollte, zeigte die Zeitung umgehend Interesse an seinem Schreibstil („denn einen Fotografen haben wir schon“). Daraus wurde eine politikwissenschaftliche Ausbildung mit Promotion und eine Laufbahn als schreibender Redakteur, die ihn über den Niederrhein und die NRW-Hauptstadt Düsseldorf nach Bonn und schließlich nach Berlin führte, wo er neben seiner Tätigkeit als politischer Korrespondent auch Aufgaben für die Bundespressekonferenz wahrnimmt. Parallel hatte ihn die Begeisterung für die Fotografie aber nie losgelassen. Urlaubswochen verbrachte er immer mehr damit, fotokünstlerisch dem inneren Gepräge besonders imposanter und beliebter Metropolen dieser Welt nachzuspüren. Insbesondere New York hatte es ihm angetan. Hier fühlte er sich vom ersten Eintreffen in den 90er Jahren an sofort zu Hause, und hier spürte er auch zum ersten Mal, dass es eine für die Stadt typische Botschaft geben muss, die stets präsent aber kaum zu fassen ist. Jahr für Jahr ging er auf die Suche, fotografierte Licht und Schatten, Typisches und Untypisches, Sonne und Regen – und machte dann 1998/99 die Entdeckung: „Es ist die Farbe, New York ist gelb.“ Viele Dinge, die in anderen Städten irgendwelche Farben haben, sind gelb in New York. Und: Egal, wo man sich in Manhattan aufhält, irgendetwas Gelbes nimmt das Unterbewusstsein immer wahr. Daraus entwickelte Mayntz das Projekt „Farben der Städte“ mit den Elementen „New Yellow City“, „Red London“, „Paris bleu“ und „Green Berlin“. In einigen Portfolios konnte er bereits bundesweit auf diese ungewöhnliche Form der Städteportraits aufmerksam machen. Die auch ihn selbst verblüffende Auseinandersetzung mit der besonderen Funktion der Farbe im so gewöhnlich nicht bewusst wahrgenommenen Alltag brachte ihn auch zum Experimentieren im Bereich der Aktfotografie. Bis dahin hatte er sich hier ausschließlich der klassisch-ästhetischen Vermittlung der Schönheit des menschlichen Körpers verschrieben. In seinen Serien „classic male“ und „classic female“ stellt er die Natürlichkeit als Voraussetzung für eine gelungene und damit ästhetisch und „schön“ empfundene Aufnahme heraus. Das heißt, er vermeidet alles, was ein Model in eine Pose pressen könnte, die nicht den natürlichen Bewegungsabläufen der jeweiligen Persönlichkeit entspricht. Immer wieder fordert er während einer Session seine Models dazu auf, in sich hineinzuspüren, ob sie sich gerade wohl fühlen, ob sie, wenn sie alleine wären, sich auch genau so setzen, stellen, hocken oder legen würden. Selbstverständlich dürfen sie dabei auch experimentieren und auch neugierig erforschen, wie sich in natürlichen Bewegungsabläufen und Lichtstellungen auch Körperlandschaften von besonderem Reiz entwickeln. „Das Wichtigste ist aber, dass jede Pose zur Persönlichkeit passt. Sonst strahlt auch ein Torso auf den Betrachter unterschwellig die Botschaft fehlender Natürlichkeit aus“, sagt Mayntz. Dass Frauen bei der Betrachtung seiner weiblichen Aktaufnahmen oft vermuten, diese stammten von einer Fotografin, weil nur weibliche Intuition den „weiblichen Blick“ habe, nimmt Mayntz als Kompliment für die Richtigkeit seiner These, durch seine „Wohlfühlbilder“ zugleich auch das eigentlich Persönliche der Fotografierten zum Ausdruck zu bringen. Wahre ästhetische Aktfotokunst ist für Mayntz zwingend mit klassischem Schwarz-Weiß verbunden. „Durch Fleischfarben werden beim Betrachter Gehirnregionen angesprochen, die eher auf sexuelle Reize reagieren, ich will aber das ästhetische Empfinden erreichen und ihm Schönheit zeigen“, betont Mayntz, der im Übrigen gerne auch außerhalb des von Vorurteilen geprägten Schönheitsideals Schönheit durch „Lichtmalerei“ herausarbeitet. Dabei steht er jedoch vor dem Problem, dass die Models in ihrer vollständigen Natürlichkeit trotzdem farbig sind und in einem von Farben geprägten Alltag leben. Die künstlerische Antwort darauf entwickelte er bereits 1999/2000 (also lange vor der Massenverbreitung von „Photoshop“) durch seine Serie „body and color“: Der klassische Akt in Kombination mit einem farbigen Gegenstand aus dem Alltag des Models. Es kommt also nicht irgendein zufälliges Studiorequisit zum Einsatz, sondern ein vom Model ganz bewusst aus seinem Lebensalltag herausgelöstes und zur Session mitgebrachtes Objekt. Meistens ist es nach längerem Nachdenken ausgewählt worden, nachdem Mayntz das Model in einer intensiven Vorbesprechung dazu gebracht hat, sich erstmals zu vergegenwärtigen, von welchen Farben es umgeben ist. Die persönlichen Gegenstände drücken somit auch etwas über Beruf, Hobby, Familie, Erinnerungen, Empfindungen oder Leidenschaften aus. Daraus ergibt sich zumeist eine besonders reizvolle farbliche Ergänzung. Eines aber bleibt: Statt einen Gegenstand herauszuheben, wie es bei der inzwischen massenhaften Anwendung dieser Fototechnik auch in der Werbung geschieht, bleibt bei Mayntz der Mensch und seine Schönheit im Mittelpunkt. |
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Text: R.M./fotokunst-in.de
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