Peter Lindbergh

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23.11.1944 Lissa      

Schwerpunkt:
Mode
Portrait
Akt

 

       

 

Peter Lindbergh, am 23. November 1944 im polnischen Lissa geboren, gehört zu den weltweit bekannten Starfotografen. Und zwar in doppelter Hinsicht. Unter denen, die von den globalen Schrittmachern unter den Modemagazinen immer wieder gebucht werden, ist er der Star. Und er ist der Fotograf der Stars, der ihr Vertrauen besitzt und von dem sie sich auch zu vergleichsweise ungewöhnlichen Aufnahmen überreden lassen. Etwa: Schönheit ohne Schminke zu inszenieren.

Lindbergh, damals noch: Peter Brodbeck, teilt das Schicksal vieler Vertriebener. Seine Familie musste in den letzten Kriegswirren die Heimat verlassen und fand in Duisburg eine neue Wohnung. Viel Zeit verbrachte Lindbergh mit seinem Onkel, der vor der Kulisse des Ruhrgebietes als Schäfer mit einer großen Herde sein Auskommen suchte. Dieser von Lindbergh in den Jahren seiner Kindheit und Jugend erlebte Gegensatz von grüner Natur am Niederrhein und Schwerindustrie im Ruhrpott wird von Interpreten seiner Fotokunst als ein Schlüssel für seinen ganz besonderen Stil angesehen: Kontraste zwischen Technik und Natürlichkeit genau so festzuhalten, wie mit Hilfe der Technik die Natürlichkeit darzustellen. Viele seiner Aufnahmen wirken wie Schnappschüsse, stellen sich bei näherem Betrachten aber als gefühlvoll-durchdachte durchkomponierte Aufnahmen dar. Ursprünglich hatte er eine Tätigkeit als Schaufensterdekorateur angesteuert. Nach seiner Lehre blieben Versuche, als Konzeptkünstler Anerkennung zu finden, vergebens. Er zog daraus die Konsequenz und begann ein Grafik- und Designstudium an der Krefelder Werkkunstschule. Mit 27 nahm er zum ersten Mal eine Kamera in die Hand. Hauptmotiv(ation) war sein kleiner Neffe. Dann ging es allerdings zügig in die Welt der professionellen Fotografie hinein. Während seiner Assistenzzeit bei dem Düsseldorfer Fotografen Hans Lux wechselte er auch seinen Namen, weil es einen Fotografen „Peter Brodbeck“ bereits gab. Auf „Lindbergh“ kam er angeblich beim Durchblättern des Telefonbuches und mit der Überlegung, dass auch Angelsachsen etwas damit anfangen könnten.

Seit 1973 als selbständiger Werbefotograf tätig, kam nach fünf Jahren der erste internationale Durchbruch mit einer Modestrecke im „Stern“. Schon damals gehörte der exzellente Einsatz der Schwarz-Weiß-Fotografie zu seinen Kernbotschaften. In der Folge wurden die großen Mode-Labels genau so auf ihn aufmerksam wie die Ikonen in der Welt der Mode-Illustrierten. Die 90er Jahre waren die Zeit der rund um den Globus bekannten Super-Models. Lindbergh gehörte gewissermaßen zu ihren „Erfindern“, und auch in den folgenden Jahren entstanden durch ihn häufig ausdrucksstarke, emotional aufgeladene Aufnahmen für weltweite Kampagnen. Kritiker brachten seine Handschrift auf die Formel, Lindbergh schaffe es, diese Top-Frauen zu einer beinahe schockierenden Ehrlichkeit zu bringen, sich für die Kamera zu öffnen, und so in aller dem Modegeschäft innewohnenden Künstlichkeit ein hohe Maß an Realität einzubinden.

Wie sehr er sich mit diesem Stil identifiziert, machte er durch eine drastische Kritik Anfang 2009 klar. Retuscheure seien „die schlimmste Krankheit“. So habe er die Schauspielerin Kate Winslet für eine Lancôme-Kampagne fotografiert, aber nachdem „50 Produkt- und Werbemanager daran herumgefummelt“ hätten, sei Kate kaum mehr wiedererkennbar gewesen. Das Image der Frau sei „vor den Hund gekommen“. In seinem Hass auf nachträgliche Manipulation der Bilder ging Lindbergh so weit, zur Kaufverweigerung aufzurufen, ja mehr noch: „Wundert euch nicht, wenn die Frauen eines Tages vor eurer Tür stehen und euch Steine in die Scheiben schmeißen.“

Um Natürlichkeit und emotionale Spontaneität drehen sich auch die Bildbände Lindberghs. Allen voran seine „zehn Frauen“, in denen er Naomi Campbell, Helena Christensen, Cindy Crawford, Linda Evangelista, Kristen McMenary, Kate Moss, Tatjana Patitz, Claudia Schiffer, Christiy Turlington und Amber Valletta versammelte. Trotz eines Lebens mit den Superstars hat sich sich Lindbergh seine absolut uneitle Art bewahrt. Er kann zwar einen großen Stab am Set auf Leistung bringen, dabei zugleich aber einen persönlichen, interessierten, offenen, ja kumpelhaften Umgangston beibehalten. Das befördert seinen eigenen Anspruch: „Ich möchte wirkliche Personen fotografieren, nicht das Model.“

Bei der Betrachtung seines eigenen Werkes erkennt Lindbergh um die Jahrtausendwende eine „Zäsur“. Weg von oberflächlichen Effekten und aufgesetzten Skurrilitäten, hin zum „Initial meiner Fotografie“, zurück zum Ausgangspunkt: Geschichten zu erzählen, hinter die Kulissen des Geschäftes zu blicken, mit Zitaten und Anspielungen die Bildaussagen zu bereichern. In seinen Worten: „Ich interessiere mich für die gewisse Wirklichkeit hinter der Fassade.“

Lindbergh hat ein Studio in Paris, arbeitet aber auf der ganzen Welt und ist mit der Berliner Fotogalerie Camera Work „auf Lebenszeit“ vertraglich verbunden. Er hat aus früheren Beziehungen drei Söhne und einen weiteren mit seiner zweiten Frau Petra.

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