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Lisa Larsens Bilder haben Kultcharakter. Jacqueline Onassis, frisch verheiratet mit John F. Kennedy bei ihrem Hochzeitsempfang auf Rhode Island im Jahr 1953. Oder Grace Kelly stolz vor den Fotografen posierend, ein verschreckt wirkender Marlon Brando. Schönheitsmodels, aufgereiht wie Ölsardinen oder Debütantinnen in einem Traum von Weiß bei einer Sommerparty in North Carolina im Jahr 1951. Die einschlägigen Fotoagenturen bieten Dutzende, ja Hunderte von Postermotiven aus den aufregenden 50er Jahren an, alle geschossen von Lisa Larsen. Doch wenn es darum geht, auch ein wenig zu beschreiben, wer die Frau war, die hinter der Kamera stand, herrscht vielfach Fehlanzeige. Oft ist die Information, geboren 1925 in Deutschland, gestorben 1959 in den USA, schon die einzige biografische Information.
Vielleicht liegt diese minimalistische Überlieferung an der verheerend kurzen Lebensspanne, die der nach Auskunft von Zeitgenossen außerordentlich liebreizenden, warmherzigen und vor allem attraktiven jungen Frau vergönnt war. Lediglich 34 Jahre durfte sie leben, bis sie vom nur scheinbar überwundenen Brustkrebs besiegt wurde. Das bedeutet, dass sie die Hälfte ihres Lebens in den Dienst der amerikanischen Magazin-Fotografie investierte. Mit 17 begann sie in New York eine Fotografenausbildung bei Vogue, arbeitete als Freie Mitarbeiterin bald für die New York Times, Glamour, Vogue und andere Zeitungen und Illustrierte, bis die „Life“ sie 1950 unter Vertrag nahm.
Angesichts ihres kurzen Lebens, das sie zuletzt an der Seite des Fotografen Nils Rasmussen verbrachte, ist es für die Nachwelt ein Segen, wie schnell und intensiv sie zu Werke ging. Sie war die erste Fotografin aus den USA in der Äußeren Mongolei, 1953 bereits die beste Fotografin des Jahres und die erste Frau überhaupt, die den Titel des besten Magazin-Fotografen des Jahres im Jahr 1958 erringen konnte. Ein Jahrzehnt reichte, um ihr, wie es im „Life“-Nachruf vom 23. März 1959 heißt, ein Regal voller Preise und Auszeichnungen zu bringen. Ihr attraktives Äußeres kam ihr dabei zugute – die Portraitierten fanden sofort einen besonderen Zugang zu ihr, gingen gerne auf sie und ihre Ideen ein. Während des Wahlkampfes nannte der damalige Vizepräsident Barkley Larsen seine „Mona Lisa“. Selbst Sowjetführer Chruschtschow unterbrach 1956 eine Reihe von antiamerikanischen Ausfällen mit dem Hinweis, es gebe auch gute Amerikaner – nachdem er Larsen unter den Zuschauern entdeckt und sie in den Blick genommen hatte.
Dass kaum noch jemand ihren Lebensweg kennt, aber ihre Bilder ikonengleich auch fünf Jahrzehnte nach ihrem Tod als Poster die Wohnzimmer auf der ganzen Welt zieren – es gibt weniger überzeugende Vermächtnisse bedeutender Fotografen.
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