Thorsten Kern

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1968

 

Schwerpunkt:
Stills

 

 

 

 

Der Kölner Fotokünstler und Werbefotograf Thorsten Kern ist im besten Sinne des Wortes „selbstständig“. Für ihn zählt die eigene Kreativität, nicht das Schielen auf Trends der akademischen Fotokunst. Diese Unabhängigkeit erhält er sich durch ein virtuoses Spiel auf zwei Manualen eines Instrumentes, das die besten Elemente fotografischer Wirkungen zum Klingen bringt, freilich in Welten höchst unterschiedlicher Wahrnehmung: Kunst und Kommerz. Wobei die Grenzen erfolgreicher, also sowohl eindrucksvoller als auch einträchtiger Fotografie stets fließend sind.

Und so bezieht auch Kern sein Einkommen mal mehr aus dem einen, mal mehr aus dem anderen Metier. Gemeinsam ist den Werken Kerns aus beiden Bereichen, dass er seine Herkunft aus der Still-Photography nicht verbergen kann. Menschen sucht man auf seinen Bildern zumeist vergebens. Bei der Produktfotografie kommt es auf den Wiedererkennungswert an. Gleichzeitig ist der hochprofessionell arbeitende Fotografen Kern gezwungen, auf die Stimmigkeit jedes auch nur winzigsten Details zu achten. Dieses Orientierungsmuster dreht der Fotokünstler Kern in seiner Serie „Revisited“ um. Hier zwingt er den Betrachter, von den Postkartenklischees Abstand zu nehmen, sich auf neue Blickwinkel und überraschende Seitenaspekte einzulassen und dabei eine neue Sicht auf Altbekanntes zu gewinnen. So wenn das Bild vom „Atomium“ in Brüssel nicht das schier leichtfüßige Spiel der glitzernden Atome eines Metall-Moleküls festhält, sondern die bodenständige, fest aus der Umgebung des Betrachters kommende Konstruktion, die eine riesige Kugel trägt. Oder wenn das immer wieder wegen ihrer Spiral-Architektur gerühmte Guggenheim-Museum bei Kern auf den Teil einer Außenwand reduziert wird. Und auf das Wort „HEIM“.

Und so kommt zum Überraschungsmoment das Schmunzeln. Kern zieht die Ironie der Inszenierung vor. Und da tut es gut, die in der Werbung ohne Ansehen von Ausbildungsstätten und Kuratoren verlangte Kreativität dank Kern in den Kunstbetrieb gerettet zu sehen. So verblüfft Kerns Art, in Triptychen oder Bildserien besonderer Schmalformate völlig neue Erkenntnisprozesse auszulösen. Seine solcherart auf schmale Ausschnitte beschränkten Landschaften scheinen nicht mehr auf den Wänden präsentiert zu werden. Kern macht die Museums- oder Atelierwand selbst zum Teil der Landschaft, die hinter dem Mauerwerk zu stecken scheint und auf die schmale Mauerschlitze einen ersten Einblick gestatten, während die fehlenden Teile im Kopf des Betrachters entstehen.

1968 geboren, absolvierte Kern 1991 bis 1993 eine Fotografen-Ausbildung, arbeitete von 1993 bis 1995 für Werbeagenturen, von 1995 bis 1997 als Fotoassistent. Zugleich startete er seine künstlerische Arbeit. Seit 1997 ist er selbstständig in seiner Wahlheimat Köln. Aber mit Kamera an vielen Orten der Welt kreativ unterwegs, wie etwa seine Serie „Aufwachsituationen“ aus Hotelzimmern, Stränden und weiteren Orten zeigt. Auch damit schafft er es, dass der Druck auf den Auslöser nicht den Endpunkt im Entstehen eines Bildes darstellt, sondern nur die Vorlage schafft, damit das ausgestellte Werk zum Auslöser für viele Gedanken und Geschichten im Kopf des Betrachters wird. Ein echter Kern.

Text: R.M. / fotokunst-in.de