Armin Häberle

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1968

Singen am Hohentwiel

Schwerpunkt:
Langzeitaufnahmen

 

 

 

 

Der 1968 im schwäbischen Singen geborene und in Berlin arbeitende Fotokünstler Armin Häberle hat – ironisch überspitzt formuliert – seine regionale Herkunft zu einer originellen Interpretation und Entlarvung der politischen Rituale gemacht. Geht es den professionellen Agenturjournalisten darum, durch immer mehr und immer schnellere Fotos den idealen Augenblick, die aussagekräftigste Tausendstelsekunde eines Staatsbesuches zu erfassen, so treibt Häberle die den Schwaben nachgesagte Behäbigkeit und Langsamkeit auf die Spitze: Er öffnet zu Beginn eines politischen Events die Linse – und schließt sie erst wieder, wenn es vorbei ist.

Dadurch tritt das Beständige hervor: die Architektur des Gästehauses des Auswärtigen Amtes oder den Sitz des Verteidigungsministeriums etwa, an zweiter Stelle die Standhaftigkeit der Wachregiment-Soldaten im tatsächlich nachprüfbaren „Stillgestanden!“. Doch sowohl die auf der Szene herumwuselnden Pressefotografen und Kameraleute als auch die auftretenden Staatspersonen verwischen sich selbst und entweichen sozusagen der dokumentierten Gegenwart. Dadurch bringt Häberle die Unbeständigkeit des Politischen genau so persiflierend zum Ausdruck wie eine schon fast parodistisch-übersteigerte Kritik an politischen Ritualen.

Eine „große“ Zeit wurde für Häberles Spezialität deshalb auch der G-8-Gipfel von Heiligendamm, von dessen Abläufen die Fotografen an fest zugewiesenen Fotografierpositionen mittels zur Schau gestellter Politiker-Smalltalks beim Schlendern zum Strand irgendwelche verwertbaren Impressionen gewinnen wollten. Häberles verwischte Dokumentation bleibt in den Köpfen der Betrachter vielleicht noch stärker haften als alle gestochen scharfen Beliebigkeits-Inszenierungen. Häberle studierte von 1995 bis 2001 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Prof. Horst Antes und Prof. Ernst Caramelle. 1997 erhielt er den Preis der Akademie, 1999 ein Erasmus-Stipendium für Lissabon und errang die Ilford-Projektförderung für Junge Fotografie. Im Jahr 2000 ernannte ihn Antes zum Meisterschüler. Es folgten Stipendien unter anderem durch das Land Baden-Württemberg, den Berliner Senat und die Deutsche Künstlerhilfe beim Bundespräsidenten.

Seine Werke waren bereits in zahlreichen Ausstellungen unter anderem in Karlsruhe, Berlin, Darmstadt, Washington, Hamburg, Santiago und München zu sehen.

Text: R.M./fotokunst-in.de