Andreas Feininger

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 27.12.1906

Paris

   

Schwerpunkt:
Architektur
Reportage
Still-Leben

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18.02.1999

New York    

 

Andreas Feininger, am 27. Dezember 1906 in Paris geboren und am 18. Februar 1999 in New York gestorben, gilt weltweit als einer der einflussreichsten Altmeister der Fotokunst. Er beeinflusst auch lange nach seinem Tod die Entwicklung der Fotografie mit, weil seine grundlegenden Erfahrungen und überzeugenden Beispiele für die Ästhetik der Fotografie weiterhin viele ambitionierte Amateure und angehende Profis motivieren und inspirieren.

Er war der älteste von drei Söhnen des Malers Lyonel Feininger. Nicht einmal zwei Jahre nach seiner Geburt zog die Familie von Paris in die Nähe von Berlin, wo Feininger zur Schule ging, bis sein Vater einem Ruf der Bauhaus-Schule nach Weimar folgte, um dort die grafische Werkstatt zu leiten. Mit dem weiteren Besuch des Gymnasiums kam der 14-Jährige dort in seiner renitenten Phase nicht zurecht. Stattdessen absolvierte er eine Ausbildung zum Kunsttischler und begann danach in Zerbst bei Dessau ein Architekturstudium. Er hätte zu dieser Zeit auch ein Architekt von Rang und Namen werden können, schließlich arbeitete er mit Le Corbusier und Elster zusammen. Doch die wirtschaftlichen und politischen Wirren boten ihm wenig Einstieg in diesen Beruf. In Hamburg schlug er sich mit eher bescheidenen Jobs durch, widmete sich stattdessen immer intensiver seiner zufällig entdeckten Leidenschaft: der Fotografie.

Eine im Zimmer seiner Mutter entdeckte Mittelformat-Voigtländer, damals noch mit Glasnegativplatten, weckte sein Interesse. Schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts legte er den Grundstein für das, was später einen „typischen Feininger“ ausmacht: Die Suche nach Formen, Strukturen, der Ästhetik von Dingen und ihrer Wirkung auf die Umgebung. 1929 wurde er bereits erstmals zur Ausstellung „Film und Foto“ eingeladen. Die aus seinen Hamburger Jahren erhaltenen Aufnahmen der Hansestadt haben ebenfalls schon weit mehr als nur dokumentarischen Charakter. Die nationalsozialistische Machtübernahme trieb den in Paris geborenen, in Deutschland aufgewachsenen amerikanischen Staatsbürger in die Emigration, zumal auch sein Vater als Jude verfemt und seine Kunst als „entartet“ gebrandmarkt wurde. Die erste Station war Stockholm, wo Feininger seine schwedische Freundin Gertrud Hägg heiratete.

Längst hatten ihn da auch die technischen Möglichkeiten der Fotografie fasziniert. Er experimentierte mit verschiedenen Holzkästen, durch die er mittels Verschieben Brennweiten verändern konnte und schuf mit einer auf einem Pariser Flohmarkt entdeckten Linse das bis dahin größte Teleobjektiv der Welt. Erstmals konnte er damit die Strukturen etwa des Hafens von Stockholm wesentlich „dichter“ fotografieren, als es zu dieser Zeit bis dahin möglich war. Nach seinem Wechsel 1939 nach New York sollte diese Entdeckung zu den bleibenden Feininger-Impressionen der Wolkenkratzer-Metropolen beitragen. Feiningers Skyline-Studien wurden zu Ikonen der Fotokunst.

Parallel verschrieb er sich aber auch dem Bildjournalismus. Das Magazin „Life“ wurde zu seiner und zur Heimat der besten Fotografen der Welt. Feininger traf hier auf Berühmtheiten wie Adams, Capa, Eistenstaedt oder Kertész und avancierte in deren Wahrnehmung zum „Doppelseiten-Feininger“. Dies war durchaus mit Respekt und Neid verbunden, da die Redaktion die von Feininger von seinen über 300 Reportagen mitgebrachten, bis ins Kleinste durchkomponierten Fotografien in ihrer ganzen Aussagekraft so groß wie möglich auf die Leser wirken lassen wollte und sich deshalb häufig für den Abdruck auf zwei Seiten entschied.

Radikal unterschied sich seine Fotografie von dem, was zur selben Zeit in Deutschland immer mehr in den Mittelpunkt rückte: die propagandistische Wirkung von Fotos. Feininger wollte nicht emotional aufpeitschen, er wollte nicht die Kamera in den Dienst von Ideologie und Moral stellen. Wenn sie denn überhaupt mit einer Mission eingesetzt wurde, dann im Namen der ästhetischen Durchdringung oberflächlicher Wirklichkeit, damit die Dinge nach dem schöpferischen Prozess des Fotografierens um so klarer in den Kopf kommen. „Idealerweise“, so Feininger, solle ein Fotograf dem Betrachter „mehr zeigen, als er in Wirklichkeit zu sehen vermag“. Es bestehe eben ein himmelweiter Unterschied zwischen einem Foto, das lediglich „technisch einwandfrei“ sei, und einem solchen, das die Bezeichnung gut oder ausgezeichnet verdiene, erst Recht zu einem solchen, das man „vielleicht sogar als außergewöhnlich in der Erinnerung behält“, hielt Feininger in einem seiner fotografischen Lehrbücher fest, in denen er die Erkenntnisse und Erfahrungen jahrzehntelanger Fotografie für die Nachwelt überlieferte. Sie wurden Ansporn und Messlatten vieler berühmter Fotografen des 20. und 21. Jahrhunderts.

Feininger beschwor Fotografen, „jeden Schritt des fotografischen Prozesses nicht nur technisch zu beherrschen, sondern auch schöpferisch zu nutzen“. Legendär wurde seine Formel, bei der überzeugenden Fotografie sei das Know-How (die Beherrschung der Mittel) absolut wertlos ohne das „Know-Why“ (die Erkenntnis der Gründe und Zusammenhänge). Seine eigene zusammenfassende Bilanz seiner Arbeit lautete denn auch: „Wahrheit und Klarheit der Darstellung ist eine der Haupteigenschaften aller meiner Fotos.“ Die Faszination für Generationen nachfolgender Fotografen liegt dabei in der Erkenntnis, dass Feininger es vermochte, den Nachweis sowohl an winzigen Schneckengehäusen als auch an gigantischen Hochhaus-Ensemblen zu führen.
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