pitze Eckart

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1949

Iserlohn

 

Schwerpunkt:
Alltagsportraits,
Alternativprojekte

 

 

 

 

 

Der 1949 in Iserlohn geborene und seit 2005 in Kassel wohnende und arbeitende Fotograf könnte ein ganz gewöhnlicher selbstständiger Fachmann für professionelle Bildlieferung sein, wenn es nur um seine Kunden – typischerweise von ihm umschrieben als „Unternehmen, Werbeagenturen, Touristikeinrichtung und Verwaltungen“ – oder seine Ausbildung (Studium der Visuellen Kommunikation in Kassel) oder um die Präsentation seines breit angelegten Fähigkeitsprofils gefälliger bis aufregend-ästhetischer Aufnahmen ginge. Auch der Hinweis, er biete zudem komplette Konzeptionen bis hin zur Druckvorstufe, lässt ihn als zwar beachtenswerten, aber tendenziell „normalen“ Fotografen erscheinen, der um seine besonderen Qualitäten in „künstlerischer Gestaltungshöhe“ weiß.

Aber pitze Eckart ist anders. Anders schon durch den fremd klingenden Vornamen (pitze an Stelle des ursprünglichen „Peter“), den er klein schreiben lässt. Anders auch durch seinen Werdegang, der die für „68er“ typischen Brüche aufweist. Denn vor seinem Kommunikationsstudium an der Kunstochschule ging er 1969 nach dem Abitur in Iserlohn mitten hinein in den studentischen Aufruhr und seine Folgeprozesse. Schon die Vita-Eintragung mit „1969 bis 1977 Studium Gesellschaftswissenschaften in Marburg“ lässt erahnen, dass er in diesen 16 Semestern nicht nur an einem kurzen, karriereorientierten Regelstudiengang interessiert war. Tatsächlich tauchte Eckart ein in eine Szene, die alle gesellschaftlichen Konventionen in Frage und überkommende Traditionen au f den Kopf zu stellen geneigt war. Und Eckart war mit seiner Kamera mittendrin.

Das Stipendium habe für eine „wunderschöne Asahi Pentax“ gereicht, schildert Eckart. Sam Haskind nennt er ein Vorbild und parallel zu seinem gesellschaftswissenschaftlichen Studium auch die Farm-Security-Administration. Auch Chargesheimer beeinflusste ihn nach eigenen Worten. Die damals prall gefüllten Negativordner arbeitete er später auf, digitalisierte sie und machte sie neuen Käuferschichten zugänglich.

Das gilt auch für die fotografische Begleitung seiner weiteren Lebensstationen etwa in einem alternativen Jugendhaus, in der Alten- und Behindertenbetreuung oder in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit. Immer wieder richtete er seine Kamera auf den erlebten Alltag und dessen Akteure in ihrer gewöhnlichen Umgebung. Keine Inszenierung, schlichte Dokumentation, aber mit dem Blick für das symbolisch Wichtige. „Der tägliche Blick auf Menschen und ihr Umfeld wurde nachts im Fotolabor geschärft“, berichtet Eckart aus diesen Jahren, die zum 20. der deutschen Einheit noch einmal beeindruckend lebendig wurden – als „West-Part“ einer Ausstellung, die mit der Gegenüberstellung ähnlicher Alltagsdokumentationen von Dieter Demme aus dem Osten den verblüffenden Nachweis führen konnte, dass da nichts ist, wenn es um die erwarteten krassen Gegensätze von Ost- und West-Alltag geht. Konsequenterweise lief die „OstMenschen – WestMenschen“ betitelte Schau durch vier Stationen, zwei in Hessen und zwei in Thüringen.

Der zwischenzeitlich ganz gewöhnliche Allround-Profi ist zusammen mit seiner Frau Elfi inzwischen wieder tief in alternative und herausragend künstlerisch gestaltete Lebensgestaltung eingestiegen. Mitten im Rotlichtviertel hat das Paar ein altes Fabrikareal gekauft und dort ein mit Kunst bespieltes Atelier- und Logierhaus „Fensterzumhof“ geschaffen, das einzelne Zimmer konsequent entlang einzelner Themen-Vorgaben gestaltet und jedes Alternativ-Apartment mit einem Fenster zum Hof und damit zu einem Alltag mit viel Kunstgestaltung öffnet. Seine „Agentur für Leichtsinn und Fotografie“ erinnert an die Bewerbung der documenta-Stadt Kassel um den Titel einer europäischen Kulturhauptstadt und füllt die Konzeption eines anderen Lebens und Wohnens und Reisens mit konkreten Inhalten. Auch ein benachbarter ehemaliger Bordellbetrieb ist dazu gekommen und wurde zum „Foto-Motel“ umgebaut.

Natürlich begleitet Eckart jedes Entstehen solcher Projekte mit der Kamera – und ist auch zur Stelle, wenn in der Region Überlieferungen der Vergangenheit „abgeräumt“ werden sollen und rechtzeitig noch überzeugende Erinnerungsbilder für die Zukunft entstehen können.

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Text: R.M./fotokunst-in.de