Klaus Beyersdorff

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 1943

Berlin

   

Schwerpunkt:
Dokumentation

 

       

 

Der 1943 in Berlin geborene Allround-Künstler Klaus Beyersdorff hat für sich die Fotografie als eines von vielen wichtigen Ausdrucksmitteln entdeckt. Sie ist für ihn unter anderem Mittel zu einem anspruchsvollen Zweck: „den Blick für das Fremde in uns selbst zu wecken“.

Nach einer Farbenlithografenlehre war er zunächst Volontär und Modellbauer in den Zentralwerkstätten der Berliner Staatstheater. Es folgte ein Studium an der Fachhochschule Dresden, das er als Diplomdesigner abschloss, und ein Bühnenbild-Studium an der Kunsthochschule Berlin. Er wirkte im Folgenden als Produktionsassistent an der Deutschen Oper in Berlin und war seit 1984 freiberuflich tätig als Bühnenbildner, Filmarchitekt, Maler, Reprofotograf und Dozent.

Neben zahlreichen Ausstellungen, Design-, Grafik- und Studio-Projekten reichten seine Theater-Ausstattungen vom „Happy End“ über die „Stunde Null“ bis hin zum „Sommernachtsraum“ und „Julius Cäsar“. Bei den Filmausstattungen trugen unter anderem die Produktionen „Ruby Martinson“ (SWF), „Maria Ward“ (Hermes), „Fünf Bier und ein Kaffee“ (Steiner) und „Unser Mann im Dschungel“ (Provobis) seine Handschrift.

Die intensive Arbeit an letzterem Film mit Armin Mueller-Stahl inspirierten Beyersdorff, auch mit den Mitteln der fotokünstlerischen Dokumentation und Reportage die Faszination Südamerikas festzuhalten. Während der Spielfilm selbst in der Art eines Ökö-Krimis den Widerstand eines indigenen Stammes gegen ein Staudammprojekt schildert, hielt Beyersdorff Alltagsszenen auf den Straßen und Märkten von Quito und verschiedenen Provinz städten Ecuadors fest.

Der Bühnenbildner ist von den Ergebnissen seiner Fotodokumentation begeistert: „Eher zufällig dokumentierte ich spannende Straßen- und Marktszenen in Quito, Lacunga, Ambato und Banjo, die so nicht besser hätten inszeniert werden können.“ Da sitzen Bauern hinter Säcken und Körben voll Kartoffeln, Mais, Bohnen, Avocados und Kochbananen, fertigen Handwerker Seile aus Plastiktüten, recyceln Schuster Sandalen aus Autoreifen, werden Auto- und Flugzeugspielsachen aus Konservendosen geschaffen. Heraus kam eine sozio-kulturelle Bildreportage, die als Ausstellung zum 200. Jahrestag der Unabhängigkeit Ecuadors in der Berliner Galerie „bildkreisel.de“ einen beeindruckenden Ausschnitt der Entwicklung des Landes unterstreicht.

Beyersdorff bringt die Motive auf den Begriff „Inca Trail“ und stellt damit eine mindestens vierfache Beziehung her. Von der Wortbedeutung knüpft er an das legendäre Straßen-, Wege- und Pfadesystem der Inka-Kultur kreuz und quer durch Südamerika an und lokalisiert damit den Ort, seine Anbindung und die historische Verknüpfung der Szenerie. Er erfasst damit aber auch den Weg, den die Inkas in der sich immer mehr globalisierenden Welt nehmen, ihr Festhalten an ihrer Kultur, ihren Bräuchen, ihren Farb- und Formvorlieben, zugleich aber ihre Öffnung gegenüber neuen Materialien und die Ablehnung der weitverbreiteten puren Wegwerfmentalität. Inca Trail beschreibt daneben aber auch die Stadt-Land-Beziehungen der indigenen Bewohner, ihre Wege von den Feldern auf die Märkte, Landflucht und Verstädterung im Hintergrund.

Auf diese Weise gelingt Beyersdorff eine eindrucksvolle Dokumentation von Kontinuität und Wandel in der Alltagskultur Ecuadors. Für Freunde südamerikanischer Kultur wird die Ausstellung damit zu einem Muss.

Text: R.M./fotokunst-in.de