Richard Avedon
* | 1923 | New York | Schwerpunkt: | ||
+ | 2004 | San Antonio | |||
| Der am 15. Mai 1923 in New York geborene und am 1. Oktober 2004 in San Antonio gestorbene US-Fotograf Richard Avendon gehört zu den bekanntesten und einflussreichsten Meistern seines Faches. Viele seiner Aufnahmen sind zu Legenden der Wahrnehmung von Persönlichkeiten, Gesellschaft und Mode geworden. Die über Jahrzehnte stilbildende Arbeit Avedons begann im Grunde bereits im Alter von 19 Jahren, als er zur Handelsmarine ging und zwei Jahre lang Passbilder von Matrosen anfertigte. Er soll kurz zuvor von seinem Vater, der an der Fifth Avenue ein Modegeschäft betrieb, eine Rolleiflex geschenkt bekommen haben, was diese Entscheidung möglicherweise mit beeinflusste. Sein Vater war als jüdisch-russischer Einwanderer in die Stadt gekommen und in einem Waisenhaus aufgewachsen. Die Matrosenportraits waren in zweifacher Hinsicht für seine weitere Karriere entscheidend. Zum einen lässt sich Avedons Markenzeichen unmittelbar aus jener Passbildzeit ableiten: Einfühlsame Portraits, die ihren zusätzlichen Reiz daraus schöpfen, dass sie stets vor weißem oder hellem Hintergrund (später selbst bei Außenaufnahmen im Westen der USA) entstehen und nichts vom Studieren der Physiognomie ablenken lassen, allesamt in großformatigen Prints , teilweise sogar in Form ganzer Foto(lein)wände festgehalten. Zum anderen sollen diese frühen, letztlich zu Hunderten zählenden Portraitreihen den Grafikdesigner Alexey Brodovitch bewogen haben, in seine Design-Klasse am New Yorker Design Laboratory aufzunehmen. Brodovitch erkannte sehr früh das Ausnahmetalent und holte ihn durch seine Kontakte unter anderem an die Modezeitschrift Harper's Bazar. Das wurde von 1945 an die Grundlage für eine regelrechte Revolutionierung der Modefotografie durch Avedon. Bis dahin standen allein die Schnitte im Vordergrund. Models hatten eher die Rollenzuschreibung von Kleiderständern. Aus dieser „Funktion“ holte Avedon die Models heraus, ging mit ihnen aus dem Studio auf die Straße und ließ sie als Persönlichkeit voller Emotionen agieren. Er verlangte Bewegung von ihnen, fotografierte sie etwa im Sprung. Auch bei der Wahl der Requisiten gönnte sich Avedon jede nur denkbare Freiheit. So entstand sein berühmtestes Modefoto: Es zeigt das Fotomodel Dovima auf Sägemehl und Heu zwischen Zirkuselefanten, die beinahe posierend wirken („Dovima mit Elefanten, Abendkleid von Dior, Winterzirkus, Paris 1955“). Avedon wurde zum Star der Fotografie. Prominente aus allen Politik-, Gesellschafts- und Kulturbereichen empfanden es als besondere Ehre, von Avedon portraitiert zu werden, und sie nahmen es bereitwilligst hin, wenn er durch seine Interpretation einen Eindruck hervorrief, der nicht immer vorteilhaft für die Dargestellten war. So ist von US-Außenminister Henry Kissinger die Bitte zu Beginn der Session überliefert: „Mr. Avedon, bitte seien Sie gnädig mit mir.“ Teilweise zu regelrechten Ikonen der Fotografie wurde die Avedon-Sicht unter anderem auf Louis Armstrong, Nadja Auermann, Francis Bacon, Brigitte Bardot, Die Beatles, Samual Beckett, William Burroughs, Maria Callas, Elton John, Janis Joplin, Humphrey Bogart, Truman Capote, Coco Chanel, Charlie Chaplin, Dwight D. Eisenhower, Bob Dylan, Cary Grant, Audrey Hepburn, Katherine Hepburn, Anjelica Huston, Bianca Jagger, Buster Keaton, Edward Kennedy, Jackie Kennedy, Rose F. Kennedy, Henry Kissinger, Cindy Lauper, June Leaf, Dorian Leigh, John Lennon, Roy Lichtenstein, Anna Magnani, Marilyn Monroe, The Monty Python, Kate Moss, Dorothy Parker, Susy Parker, Paloma Picasso, Ezra Pound, Patti Smith, Tina Turner, Twiggy, Gianni Versace, Veruschka, Andy Warhol... Dabei war für Avedon klar, dass alle Portraitierten im Grunde „Darsteller“ sind. „Wir tun dies für uns gegenseitig jederzeit, bewusst oder unbewusst“, stellte Avedon fest. Und er erläuterte: „Es ist eine Art und Weise, etwas über uns mitzuteilen in der Hoffnung, als der erkannt zu werden, der wir sein möchten.“ Mitunter erschließt sich die gewünschte Aussage aus einem anderen Zusammenhang. So ließ sich Charlie Chaplin mit seinen zu Teufelshörnern vor der Stirn geformten Händen ablichten. Es war Chaplins Kommentar zur McCarthy-Ära, die ihn kurz darauf aus den USA emigrieren ließ. Aber es waren bei weitem nicht nur die „Celebrities“, für die sich Avedon interessierte. Schon früh versuchte er in Straßenszenen den Takt der gesellschaftlichen Entwicklung einzufangen. Er prangerte mit den Mitteln der Fotografie die übersehenen Konsequenzen des Vietnamkrieges an und hielt seinem Land einen schonungslosen Spiegel vor, indem er im amerikanischen Westen durch das Portraitieren einfacher Arbeiter, Angestellten und Arbeitslosen die Wirklichkeit hinter dem Image hervorzerrte. Auch das Leben hinter den Mauern einer Nervenheilanstalt und die Sterbephase seines eigenen Vaters Jacob Israel dokumentierte Avedon. Die Bildsprache vermochte er auf kleine Fragmente zu reduzieren, wie etwa bei der Betrachtung der feiernden Menschen am Brandenburger Tor in der Silvesternacht der Jahreswende 1989/90. Freilich blieb für ihn selbstkritisch die Richtschnur: „Eine Fotografie zeigt nie die Wahrheit.“ Es handele sich vielmehr um „diese rätselhafte Sache, die wir Fotografie nennen“. Nach der Beschäftigung bei „Harper's Bazaar“ wechselte er 1966 zur „Vogue“. Aber auch für viele andere renommierte Zeitschriften lieferte er eindrucksvolle Reportagen und legendäre Titelbilder. Noch im hohen Alter verpflichtete er sich als „Redaktionsfotograf“ beim „New Yorker“. Mit seiner zweiten Frau Evelyn hatte er einen Sohn, John. Avedon starb 81jährig in Texas – mitten in einer neuen Fotoreportage über den amerikanischen Wahlkampf. | ||||
Wichtige Werke |
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Ausstellungen:
>> Hamburg-Mitte | Museum Kunst und Gewerbe | Ichundichundich
