Jürgen Graetz

*

 1943

 Neuglobsow

   

Schwerpunkt:
People-Fotografie
Soziale Fotografie

 

 

 

   
            

 

Menschen in ihrem Alltag bilden das große Thema von Jürgen Graetz, dessen Werke die Aussagekraft sozialer Fotografie dokumentieren.

1943 in Neuglobsow am Stechlinsee geboren, absolvierte Graetz zunächst eine Lehre als Gebrauchswerber in Gransee, bevor er 1961 seine erste Stelle als Technischer Assistent und Fotograf beim Potsdamer Museum für Ur- und Frühgeschichte antrat. 1967 wechselte er als Fotoassistent an die Komische Oper in Berlin und arbeitete dort mit dem Theaterfotografen Arvit Lagenpusch. Von 1968 bis 1975 betätigte er sich als Assistent bei Bildjournalisten und wurde nach einer Begegnung mit dem zum Mentor werdenden Arno Fischer Mitglied in dessen „Klub Junger Fotografen“. 1976 folgte die Aufnahme in den Künstlerverband; seitdem war Graetz freiberuflich tätig für Zeitschriften und Verlage.

Nach der Wende kamen Fotokurse für Kinder und Jugendliche hinzu. Der Schwerpunkt seines Lebens wechselte von Berlin wieder in seine Heimat am Stechlinsee, wo er unter anderem auch ein regionales Fotoarchiv aufbaute. Zusammen mit seiner Frau Elli, selbst als Grafikkünstlerin tätig, baute er das elterliche Haus zu einem offenen „Ateliergarten“ aus. Nicht nur Werke des Künstlerehepaares locken Kunstinteressierte seitdem nach Dagow, sondern auch Seminare, Kurse und Veranstaltungen.

Graetz war an zahlreichen Ausstellungen beteiligt, unter anderem in Berlin, Los Angeles, Köln und Garmisch-Partenkirchen. Sie drehten sich zum Beispiel um das Sowjetische Ehrenmal in Berlin-Treptow, die Spuren Fontanes und den Alltag in der DDR. Graetz-Bilder firmierten unter dem Stichwort „Ostfotos“, wurden unter dem Oberbegriff „Ostalgie“ gehängt, waren zugleich aber immer viel mehr als nur konservierte Impressionen zwischen Plaste und Elaste. Deutlich wurde dies etwa, als das Literaturmuseum 2008 im Schloss Rheinsberg in seiner zeitgenössischen Galerie zum 65. Geburtstag von Jürgen Graetz 85 Schwarzweiß-Fotografien präsentierte und mit einem parallel herausgegebenen Bildband auf 176 Seiten einen Überblick über das Oeuvre vorlegte.

Mit seiner Kamera interessiert sich Graetz für die vermeintlich Kleinen der Welt und ihr ganz persönliches Umfeld und macht sie stark und wichtig. Die Szene in der Kneipe erzählt eine ganze Geschichte über menschliche Kommunikation. Nicht wenige Bilder zaubern ein Schmunzeln ins Gesicht des Betrachters, wie die Aufnahme des jungen Paares, das den optimistischen Aufbruch in eine neue persönliche Zukunft 1990 auf eigentümliche Art repräsentiert: Heiter zieht sie den Kinderwagen, er den Betonmischer hinter sich her. Graetz unterstreicht zudem das Festhalten an Traditionen in einer wandelnden Welt und erzeugt damit reizvolle Kontraste, wie etwa zwischen dem Burschen auf der Walz mit dem modernen Kanzleramt im Hintergrund.

Text: R.M./fotokunst-in.de